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Gemälde mit astronom. Motiven von Vincent van Gogh. Abb. 1 Weißes Haus bei Nacht, 1890. Abb. 2 Sternennacht, Arles/Saint Rémy, Juni 1889. Abb. 3 Straße mit Zypressen und Sternen, 1890.  Abb. 4 Sternenlicht über der Rhone.

Straße mit Zypressen und Stern entstand 1890 (Abb. 3).
Auf welchen Zeitpunkt im Jahr 1890 ist diese Konstellation Mondsichel mit Zulauf auf die Venus zu datieren? Waren die Gestirne am Morgen- oder Abendhimmel sichtbar? In welche Himmelsrichtungen verläuft die Strasse?



Abb. 1. Weißes Haus bei Nacht, 1890.
Eine gleißende Sonne am tiefblauen Himmel scheint mit dem Titel Weißes Haus bei Nacht kaum vereinbar. Welches Gestirn malte Vincent van Gogh? In welcher Himmelsrichtung befindet sich das abgebildete Haus in Auvers?  Stand das Gestirn am Morgen- oder Abendhimmel? Und zu welcher Uhrzeit des Jahres 1890 nahm es diese Position ein? 
Da die Venusbahn innerhalb der Erdbahn verläuft, kann die Venus sich max. 48° von der Sonne entfernen und ist daher, als Abendstern (östliche Elongation) oder Morgenstern (westliche Elongation), um Mitternacht - die Polarregion der Erde ausgenommen - nie sichtbar. Amerikanische Astronomen haben das Gemälde bereits untersucht:
http://radio.cbc.ca/programs/asithappens/STEAM/vangogh_031301.html.

Abb. 2 Sternennacht, 1889.

Sternennacht entstand im Juni 1889 in Arles/Saint-Rémy-de-Provence. Wann hatte der abnehmende Mond am Morgenhimmel diese Position über den Bergen von Arles? Und ist das zwischen Kirchturm und Zypressen heller leuchtende Gestirn über den Bergen ein Stern oder die Venus? Zeigt das Bild den Morgen- oder Abendhimmel? In welcher Himmelsrichtung zeigt das Werk die Kirche?

Mondbahnphasen nach Neumond und vor Vollmond (s. Abb. 3): Nach Neumond erscheint die schmale Mondsichel am Abendhimmel. Die zunehmende Sichel zeigt dann stets nach Westen. Im Ersten Viertel  (östliche Quadratur zu Sonne) ist der Halbmond daher stets bei Sonnenuntergang und aufgelockerter Bewölkung etwa um 18 Uhr im Süden sichtbar. Der bei Sonnenuntergang diametral aufgehende Vollmond kulminiert stets um Mitternacht (Opposition).
Auf das Bild bezogen (Abb. 2): Mondbahnphasen nach Vollmond und vor Neumond. Nach Vollmond bzw. Mitternacht erscheint die schmale Mondsichel am Morgenhimmel. Der beleuchtete Teil weist dann stets nach Osten. Im Letzten Viertel (westliche Quadratur) geht der Halbmond etwa um Mitternacht auf und passiert stets um etwa 6 Uhr morgens die Südrichtung. Das Gemälde (Abb. 2.) zeigt also eine nach Osten gerichtete Mondsichel 5 Tage vor Neumond am Morgenhimmel.

Evert van Uitert in Vicent van Gogh, Verlag DuMont, 1976:
>Das eigentümliche Gemälde ‘Sternennacht’  ist von anderer Religiösität. Der Mond mit den elf Sternen findet sich als Bild in dem Buch der Offenbarungen. Die Spitze der Zypresse als Form wird wiederholt in der Turmspitze der Dorfkirche.<

Die Illustrierte Stern http://www.stern.de/wissenschaft/kosmos/560023.html?nv=fs&cp=9: >Auf Vincent van Goghs berühmtem Gemälde ‘Sternennacht’ sind einige leuchtende Wirbel in einem unruhigen Nachthimmel zu sehen. Obwohl diese Darstellung eines wilden Himmels der nervösen Vorstellung van Goghs entsprang, war der Künstler der kosmischen Realität - wenn auch ohne es zu wissen - doch sehr nahe.<

Die Gemälde von Vincent van Gogh zeigen vortrefflich auch die atmosphärische Formation der Natur im Glanz der Sterne. Die Kirche ist markantester Blickfang und Mittelpunkt des Ortes. Das Bild zeigt daher keine Vision oder Illusionsmalerei eines Geisteskranken, sondern van Gogh malte ein Bild des Städtchens, Landschaftspanoramas und Sternenhimmels, welches in Arles (43.7° n. Br., +4.7° ö. L.) am 22. Juni 1889 sichtbar war. (Vedutenmalerei, wegen der topograph. im Wesentlichen naturgetreuen Wiedergabe). Die Zypressen sind daher ebenfalls keine Fiktion. Das ganze Bild zielt jedoch auf die besondere Betonung des atmosphärischen Mediums, so dass insbesondere die Wolken-Luft-Wirbelströmung (die Milchstraße liegt außerhalb des Bildes) mit stellaren Szintillationseffekten von der genialen Inspiration des Künstlers Zeugnis ablegen.

Lt. Himmelsglobus war am 29. Mai und 28. Juni 1889 Neumond. Letztes Viertel war am 20. Juni 1889. Vergleicht man die auf den Horizont bezogene Mond- und Venusposition des Bildes mit der des Himmelsglobus, begann Van Gogh sein Werk am 22. Juni 1889 um 2.45 Uhr kurz vor Sonnenaufgang, 2 Tage nach dem Letzten Viertel. Am 22. Juni 1889 hatte die Venus 44° westliche Elongation. Das nach dem Mond am hellsten strahlende Gestirn des Bildes ist der Morgenstern. Der Mond erreicht die Venus am 24. Juni. Das Gemälde zeigt den östlichen Sternenhimmel und die Kirchturmspitze markiert exakt - transversal zur Kompaßnadel gepeilt - den Ostpunkt des Horizonts. Markante östliche Sternbilder im Umfeld des Mondes: Die beiden Gestirne links der Venus sind die Plejaden und der Stern Menkhib (Zeta Persei), über ihr liegt Hamal (Alpha Arietis). Die zwei hellen Sterne in Mondnähe sind Algenib (Gamma Pegasi) und Sirrah (Alpha Andromedae). Die Verbindungslinien (Alignement) dieser Sterne verlaufen richtig zur Horizontebene. Auf Sirrah folgen Epsilon Andromedae, Delta Andromeda, Mirach (Beta Andromedae) und Alamak (Gamma Andromedae). Über den Stern Mirach (neben der Zypressenspitze) befindet sich die Scheibe des Andromedanebels M31. Hyperlink: http://www.vangoghgallery.com/misc/search_frame.htm (Suchbegriff Aries eingeben).

Welches Sternbild zeigt das Gemälde Sternenlicht über der Rhone und in welcher Himmelsrichtung malte Vincent van Gogh es?

 

 



Eingeschlossenes Feld. Frühlingsfeld bei Sonnenaufgang. Saint Rémy.Mai -Juni, 1889.

Haus A,B,E
Doppelhaus C

 


 


 

Eingeschlossenes Feld. Weizenfeld mit Mäher bei Sonnenaufgang. Saint Rémy. Später Juni, 1889


 

 



 



Zypressen. Van Gogh. Saint Rémy. Juni, 1889. Dieses Gemälde entstand kurz nach Neumond einige Tage vor Abendlandschaft bei Mondaufgang. Wann sah Van Gogh die schmale Mondsichel? 

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Eingeschlossenes Feld. Van Gogh,. Abendlandschaft bei Mondaufgang. Saint Rémy. Früher Juli, 1889. Der US-Astronom Donald Olson verglich die Daten der Mondphasen Juli 1889 mit den Tagebüchern des Malers und der Erntezeit des auf dem Bild frisch geschnittenen Weizens. Der Astronom vermaß vor Ort markante Geländepunkte, das Dach des Hauses und den (auch auf dem Gemälde Weizenfeld mit Mäher bei Sonnenaufgang erkennbaren) Felsvorsprung hinter dem der Mond erscheint. Lt. Olson zeigt das Gemälde den aufgehenden Mond am 13. Juli 1889 um 21:08 Uhr Ortszeit.
Quelle: Vgl. Sky and Telescope, 07/03, 54-55 (2003), or download articles Computers in Astronomy – Dating van Gogh's "Moonrise" By Donald W. Olson, Russell L. Doescher, Marilynn S. Olson, July 2003, p. 54-58, in the Sky & Telescope online Archive.

Da sich die Mondphasen alle 19 Jahre zur gleichen Uhrzeit wiederholen (Meton-Zyklus), wird der Mond demzufolge am 13. Juli 2003, 2022, 2041 usw. etwa um 21 Uhr Ortszeit in Saint Rémy wieder die Position vor dem Felsvorspung einnehmen, die Van Gogh am 13. Juli 1889 um 21:08 Uhr gesehen hat.

Eingeschlossenes Feld mit Pflüger bei Sonnenaufgang. Saint Rémy. Später August, 1889.

 

 






 

Eingeschlossenes Feld. Weizenfeld mit Mäher und Sonne. Saint Rémy. Früher September, 1889.


 

 

 

 

 

Eingeschlossenes Feld bei Sonnenaufgang. Saint Rémy. Dezember, 1889.  Man beachte die Verschiebung der Sonnenaufgangsrichtungen zwischen Sommer- und Wintersonnenwende (Morgenweite ±34°).

 

 


 

 


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